Taijiquan ist eine weit verbreitete chinesische
Kampfkunst, die von mehreren Familien entwickelt
und tradiert wurde. Quan bedeutet „mit leerer Faust", oder
"ohne Waffen zu kämpfen“. Taiji, ein Begriff der im „Buch der Wandlungen“
zum ersten Mal erscheint, heißt etwa „Große Letzte“. Taiji ist von Wuji (die
Leere) geboren, und aus Taiji entstehen die zwei polaren Kräfte des Universums,
Yin und Yang. Yin ist das weibliche, passive, inaktive, introvertierte Prinzip.
Yin ist auch Nacht, Dunkelheit, Stille, und unten. Yang ist das aktive,
extrovertierte, männliche Prinzip und entspricht auch Sonne, Licht, Tag,
Bewegung, und aufwärts. Taijiquan ist ein ständiges Wechselspiel zwischen diesen
beiden polaren Kräften. Die Taijiquan-Form ist ein spezifischer Bewegungsablauf,
in dem kämpferische Techniken mehr oder weniger verborgen sind. Die Bewegungen
wechseln zwischen voll und leer, Yin und Yang und sind langsam, geschmeidig,
manchmal aber auch dynamisch und explosiv.
Es gibt viele traditionelle
Stilrichtungen in Taijiquan wie Chen, Yang, Sun, Wu (alte und neue), Hao,
Zhaobao u.s.w. und viele moderne Formen, wie die sogenannte Peking Form und
verschiedene Wettkampf-Formen. Aber trotz ihrer Unterschiede, folgen alle
Taijiquan Stilrichtungen den gleichen Grundprinzipien: Ganzkörperkoordination
durch die Einheit von den drei inneren Harmonien (nei san he) und den drei
äußeren Harmonien (wai san he). Die drei inneren Harmonien sind: Herz mit
Vorstellungskraft (xing yi he), Vorstellungskraft mit Energie (yi chi he), und
Energie mit Kraft(chi li he). Die äußere Harmonien sind: Schultern mit Hüften,
Ellenbogen mit Knien, und Hände mit Füssen. Durch diese Zusammenarbeit zwischen
inneren und äußeren Aspekten entsteht eine Art funktionelle Einheit des Körpers,
auch bekannt als „Whole Body Movement“.
Die Kampftheorie des
Taijiquans basiert auf der taoistischen Philosophie, dass das Weiche das Stärke
besiegen kann. Lao Tse schreibt:
„Es gibt in der Welt nichts,
was sich
mehr seinem Grunde einfügt
und weicher ist als Wasser,
zugleich
nichts,
was stärker ist und selbst das Härteste besiegt;
es ist
unvergleichbar und unbezwingbar.
Dass das Schwache das Starke
und das
Weiche das Harte besiegt
weiß zwar jedermann, doch niemand lebt und wirkt
darnach.“
Im Taijiquan wird Nachgeben (ohne die eigene Stabilität zu verlieren) benutzt, um einen Gegner ins Leere
laufen zu lassen und seine Energie gegen ihn anzuwenden. „Yin jin, luo kong, he
ji chu“, oder locke den Gegner vorzugehen, lass ihn ins Leere laufen und stoss
ihn weg. Durch Taiji tuishou und dalü (Partnerübungen) lernt man die Energie des
Gegners zu hören/fühlen (ting jing), verstehen (dong jing), und ableiten (hua
jing). Schließlich lernt man die eigene Energie des Körpers explosionsartig zu
benutzen (Prinzip „whole body movement“ (fa jing)).
Waffen-Formen sind
ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Taiji. Unter anderem übt man mit dem
Schwert (Taijijian), dem Säbel (Taijidao), dem Stock (Taijigun) und dem Speer
(Taijiqiang).
Durch die fließenden Bewegungen des Taijiquans entstehen
Aufmerksamkeit und Ruhe im Bewusstsein. Taijiquan verbessert die Haltung
und entwickelt die Koordination. Muskelverspannungen lösen sich und die
Beweglichkeit steigt. Auf diese Weise führt Taijiquan zu Klarheit und
innerer Stärke. In China sagt man dass „wer sich im Taiji übt, wird so
geschmeidig wie ein Kind, so Kraftvoll wie ein Holzfäller und so gelassen wie
ein Weiser.“